Montag, 22. Dezember 2014

Weihnachten in Franken

oder "Wenn der Fange frängisch red, der Preis kaa aanzigs Word verstädd"
Heute hat meine Tochter Weihnachtsfeier in der Schule und wir haben ein lustiges Gedicht gesucht. Im Internet bin ich fündig geworden... in einem alten Forum. Leider war dort noch nach Suche im www keine Angabe  wer dieses Gedicht geschrieben hat.






Der Grissbammstender


Bal mou mer si langsam afs Fest vurbereitn

denn bis Weihnachten sen etz nemmer vill Zeitn.

In der Stumm hockn´s drin, die Frau und der Moo,

überleng si wos schenkn und redn dervoo.

„Herrschaftzeitn!“ So schreit er ganz plötzli raus

„A Grissbammstender mou ja heier ins Haus!“

„Ach naa Moo - etz des net a nu !“ sacht si zu ihrm Wastl

„Kannst net so a Ding irgendwäi bastln?“

“ Ja i hob a Idee, i will probiern ob des geht .

I bau uns an Stender, der wu si glei dreht.“

Afm Budn drom stäit bei die altn Sachng

nu a Grammophon, Frau, do werst mer lachng,

Dou draus bau i an Stender und a Spieluhr mit nei,

des werd a Überraschung, des soch i dir fei !

Opa und Oma wern schauer - und erscht die zwa Klanner,

des werd richti feierli - ach, ich kennt etz scho flanna !“

So sacht der Vater: „Also,... Frau, bin ich froh!“

Er steigert si nei - und - scho fengt er oh!

Stundnlang bastlt er, des is der a Blouch,

doch stolz kann er song, nach 14 Toch:

„So, Frau, i bin ferti, is Christkind kann kumma!“

Bei der Prob laft sei Werk wie gschmiert umerdumma.

Ausn Kastn klingt liebli die Spieluhr hervor

„Ihr Kinderlein kommet“ im feierlichng Chor.

Die Mutter macht vuller Freid glei an Satz:

„Is des ober herrli, .... du bist a Künstler mei Schatz!“

Nou woars halt su weit, Heilicher Ohmd wor doo;

der Bamm wird schäi putzt, mer hengt allerhand droo.

Äpfl, Nüss, Zimtstern und Plätzli,

Eiszapfm, Kugln und derzu schäine Kerzli.

Erscht nu a Prob, ob der Bamm sich a dreht

und obwohl der su schwer is, des Kunstwerk, des geht!

Etz nu schnell all die Gschenke, in Boum sein Kaufladn,

die Puppnkichng, die Zinnsoldatn,

die Burch und is Kasperlerstheater derhinter

dou spilt immer der Opa immer su schäi mit die Kinder.

Die Aufrechung und die Freid worn grouß,

der Vater schreit: „So, ....die Bescherung gäit lous!“

Er löscht is Licht, zündt di Kerzli schäi oh

und schaut stolz zu sein Bammstender no.

Am Bamm hengt Lametta in ganz dicke Strähner

in Vater kummer scho widder die Träner -.

Er bimmlt drei - viermol, alla kummers schnell rei!

Der Bamm dreht si langsam und die Spieluhr setzt ei:

„Ihr Kinderlein kommet, oh kommet doch all!“

Kaum wors zu hörn, touts in Kästla an Knall!

Si stenna im Kreis, is Mariela, der Sepp

und die Oma seufzt: „Daß ich des nu derlebb!“

Doch der Vater stutzt, ja, wos wor denn blouß gschehng?

Der Bam tout af amol viel schneller sich drehn!

A die Spieluhr spielt schneller, alles gäit hoppla hopp

und „Ihr Kinderlein kommet“ klingt etz, wie a Galopp!

Des Louder kreischt derr die Tön nauf und no

„Grod, wäi a Sirener!“ sacht die Frau zu ihrm Moo.

Etz fasst sie der Vater schnell nu an Mout

und will in Bamm stoppn, ober des gäit net gout.

In der Eckng hint hockt der Opa und lacht,

doch der Vater schreit laut in die Heilige Nacht:

„Ja, wos hat denn der Bamm blous, worum saustn der soo,

wäi a verrickter Kreisl auf und dervoo?!“

Die Mutter und die Kinder sen untern Tisch nunterkrochn

wal mer mahna kennt der Vesuv is ausbrochn.

„Volle Deckung!“ brüllt der Vater grod nu rechtzeiti naus,

voller Wucht saust aus n Bamm der erschte Apfl raus.

Der fläicht in Boum sein Kauflodn nei

und haut alles zam, des gibt a Gschrei!

Ja - nou gäits erscht richti lous, des is ungeheier

asn Bamm schäißts raus, wäi a Trommlfeier!

Die Sternspeier sausn ab durch die Mittn

ins Wohnzimmer nei, wie Satellitn.

Und etz werds a in Opa zu bunt,

der Arme stäit dou, mit der Pfeifm im Mund

dou schleidert der Bamm, es wor wäi a Schuß!

Pfeilgrod aufm Opa a riesendrum Nuss!

Die Pfeifm splittert mittn entzwei

Vur Schreck hauts in Opa in die Kasperli nei.

„Hanskasperli“ schreit er do raus,

„ihr Kinder, heit fällt die Vorstellung aus!“

Die Puppnkichng - ach, däi wor su schäi dekoriert -

in derer sichts aus, als wär der Herd explodiert.

A Zimtstern, a harter, fläicht ins Radio nei,

durch den Schloch schalt sie der glei vo selber ei

und spielt: „Vom Himmel hoch, da komm ich her!“

Doch die Oma greint: „Mir wolln heit gor nix mehr!

Uns langt scho, wos der Bamm uns bringt!“

... und merkt af amol, dass wos stinkt.

Die Vuurhäng brenner! Der Vater stürzt si naus!

Zum Glück hom mir an Feierlöscher im Haus,

mit dem Ding kummt er rei, spritzt die Vorhäng oh

dou kracht ihm a Hulzbiern an sein Dickschedl no -

schwer troffn, fällt er wäi a Soog nach hintn

und er hört nu, eh die Sinne ihm entschwindn,

im Radio, do wird etz gsunga,

schäi laut: „Es ist ein Ros entsprunger!“

Beim Umfalln sacht er: „Ich glab, a Gaul hat mi troffm!“

und nochetla wär er beinoh dersoffn,

denn der Minimax spritzt, des wor a Gedicht

in umgfallner Vater direkt in sei Gsicht.

A Gwerch wor im Zimmer, es wor net zum dertrong

- sogar die Standuhr hat dreizemol gschlong.

In der Burch platzn Kugln, grod wie Granatn

und reiherweis falln die Zinnsoldatn.

Aff a mol, vorm Krippler, macht der Loudersbam halt,

Dou hats in Josef glei in Stall hinterknallt.

A Eiszapfm wors, der is kumma, wie gstochn

und hat in Josef sein Arm ohbrochng.

Der Schäfer und sei Schouf, däi sen des Todes

und a Kopfschuss trifft in König Herodes.

Selbst die Halin drei König hats vom Kamel rogrissn!

Und vuller Angst hat der kla Sepp in die Hosn gschissn.

Drassn am Fenster gäit aner vorbei und schreit:

„Recht frohe Weihnachtn, liebe Leit!

I wünsch aich a recht schäins, ruhigs Fest!“

Des gibt der Familie den entgültigng Rest.

Die Mutter, däi jammert: „Der hat gout lachng,

sechert der uns, und unsere Sachng!“

Und endli - dou dreht sich der Bam nemmer rum -

der Vater stäit dou und schaut recht dumm

er denkt blos: „Wos hob i mi ograckert

und etz stäit er dou, der Bamm, vollkommen nackert!“

As ihre Versteckli krabblns etz langsam hervor

zerscht der Opa, mit an Batzn Lametta am Ohr.

Die Mutter soucht vuller Angst ihr Kinder,

denn etz is ja stockdunkl im Weihnachtszimmer.

Alle greiner: „Suu hob ich des Fest nunni kennt!“

Ausm Eck kummt die Oma, mit an Kerzla in der Hend.

Des brennt nu und der Bou schreit: „Schaut alle her!

Etz kummt is Christkindla selber derher!“

Der Vater macht Licht, soucht nach anner Erklärung

alla schreier durchernander: „Des wor a schäine Bescherung!“

Im Zimmer sichts aus, wie nach an Orkan,

mer is frouh, dass mer lebt, und stimmt a Weihnachtslied an:

„Alle Jahr wieder, kommt das Christuskind ...“

Doch die Frau mault derzwischn:

“ Du baust mer nix mehr so gschwind!

Fürs nächste Johr schreib ich gleich heit in Kalender

und kaf persönli an Grissbammstender!“


Ich wünsche euch allen frohe Weihnachten.

 
3 Kommentare
  1. Hehehe ... einfach goldig ;0).

    Grüße aus dem schönen Frankenland,
    Viktoria

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  2. A richtig schöns Gedicht. Nje leicht ze lesen, aber als echter Frange hot mers drauf! Danke!!!
    Lieba Grüß ve am Frangen, dä etz in Thüringa wohnt!
    Ich wünsch euch a wunderschöns Fest und fürs neua Joaht alles alles Guta!
    Anke

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  3. Hoffentlich nicht auswendig, oder? Das ist ja lang. Kennst du zufällig ein ganz kurzes, was sich schnell merken lässt? In der Seebärenfamilie müssen Gedichte aufgesagt werden und die Oma hört so schlecht und macht ihr Hörgerät nicht rein und ich hasse es so lange so laut zu schreien und auswendiglernen kann ich auch nicht :D Ich wäre da echt dankbar ;)

    Liebe Grüße
    Rebecca, die das Gedicht total klasse findet

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