Sonntag, 22. Mai 2016

Wie ist Nähgarn beschaffen?

Über die Wicklung des Nähfadens hab ich bereits geschrieben.

Wichtig ist auch die Beschaffenheit dieses Fadens.

Das bedeutet nicht nur, dass du weißt aus welcher Faser er hergestellt wurde sondern auch noch wie.

Sind dir diese komischen Bezeichnungen auf den Garnhülsen ein Rätsel? Kannst du damit nichts anfangen? Was bedeuten diese komischen Zahlen?
Hier verrate ich es dir:



Die Garne haben verschiedene "Typenbezeichnungen", die ihr "Gewicht" angeben (Achtung: nicht die DICKE! - Warum erkläre ich gleich)
Da gibt es sehr dünne Garne mit der Nummer 70 und sehr dicke mit der Nummer 30.
30/3
50/2
70/2


Was bedeuten dies Nummern?


Ganz einfach: so viele Kilometer Faden wiegen 1 Kg. Also ist ein Faden mit 70 km Länge viel viel dünner als einer mit 30 km. Logisch. 

Hinter dieser Zahl gibt es meist noch den Zusatz " /2 oder /3"  was bedeutet aus wievielen Fasern das Garn gezwirnt ist.  Die Dicke eines Garns wäre demnach der Querschnitt und wird von der Anzahl der Fasern bestimmt. Dieser ist allerdings für uns kaum messbar. Ein Garn #50/3 ist demnach dicker als ein Faden #50/2 und zwar genau um 50%, da er eine Faser mehr enthält. 

Zur besseren Verdeutlichung dünnes Strickgarn

Ein qualitativ hochwertiges Garn erkennst du an der Verzwirnung. Je mehr es verzwirnt ist, umso kürzer wird es - aber auch umso glatter! Je glatter das Garn ist desto besser lässt sich damit nähen und es wird beim Transport durch die Nadel nicht unnötig gescheuert - folglich reißt es  nicht so schnell .
Wollfaden
Nähseide
Für sehr dünne Gewebe würde ich einen 70/2-Faden verwenden, der gängige Faden wäre ein 50/2 oder 50/3 und für ganz stabile Taschen (speziell Leder/Kunstleder etc.) würde ich einen 30/3 nehmen.
Am gebräuchlisten ist der 50iger Faden.


Welche Faser ist nun am besten?


Dazu gibt es eigentlich nur eine Antwort: 
Die, die am besten zu deinem Projekt passt!

Viele schwören darauf Baumwollstoffe nur mit Baumwollgarn zu vernähen. Baumwollgarn ist sehr reißfest. Was bedeutet, dass unter "Stress" eher das Gewebe als das Garn reißt. So kommen unschöne Löcher und Risse in die Kleidung oder den Quilt.
es wird auch "mercesierte" Baumwolle angeboten
Allerdings kann der Baumwollfaden auch einlaufen und wenn du Precuts für den Quilt verwendest, wäre ein Baumwollfaden meine erste Wahl, da dann beide Fasern beim ersten Waschen etwas einlaufen und ich somit keine Kräuselungen habe :)

Gewachste Baumwolle ist zum Maschinennähen nicht zu empfehlen - das ist was für die Hand!

Polyester ist dagegen so beschaffen, dass es etwas eher reißt. Damit würde z.b. beim Bücken nicht der Stoff der Hose reißen sondern nur die Naht. Was natürlich leichter zu reparieren ist *g*.
Somit eignet sich Polyester nicht nur zum Nähen von Kleidung sondern auch zum Quilten. 

Seidengarn hat die gleichen Eigenschaften wie Polyester, ist allerdings wesentlich teurer. Seidengarne werden oft in kleinen Spulen angeboten. Viele benutzen es zum Applizieren, da es einen schönen Schimmer hat. Mittlerweile gibt es allerdings Polyestergarne, die fast genauso glänzen.

Metallic-Faden ist ein wunderschönes Gestaltungselement für Zierstiche oder Stickereien. Hierbei solltest du darauf achten Fäden auf einer dicken Spule (im Durchmesser) zu erwerben. Diese haben nicht den "Memory-Effekt" und kräuseln sich beim Abwickeln nicht so extrem wie Dauerwellen sondern hängen einfach locker durch. 
Die Fadenspannung sollte unbedingt sehr locker gewählt werden (ca. zwischen 0-1,5), damit der Faden nicht reißt!
die große Spule links ist den kleinen vorzuziehen

Nylon ist für normale Näharbeiten nicht zu empfehlen, da es bei Hitze schmilzt. Du kannst allerdings eine Applikation damit auf Stoff "kleben".
Nylon auf die Unterfadenspule wickeln, als Oberfaden Polyester verwenden. Die Applikation allein mit Zickzackstich umsteppen und dann auf den Stoff aufbügeln. Durch die Hitze schmilzt der Unterfaden und klebt die beiden Stoffstücke aufeinander. Danach lässt sich der Oberfaden lösen und du kannst mit einem schönen dekorativen Stich die Appli umnähen.
Very simple :)


Mit welcher "Nähseide" nähst du am liebsten?

Nächstes Mal geht es um die Nähnadel, denn es kommt auf deinen Faden an welche Nadel du benötigst.

Und HIER kannst du nochmal was über die Wicklung des Fadens und welche Wicklung für welches Maschinensystem geeignet ist nachlesen.




4 Kommentare
  1. Boah Gusta, super Post. Der Trick mmit dem Nylonfaden genial. Das Metallicgarn wollte bei mir nie funktionieren, muss ich probieren wie du schreibst. Danke. Ich nähe, habe gerade beschaut mit Polyestergarn Stärke 100 Troja oder Amann. Meine Maschine mag dieses Garn gern. Komme damit eigentlich gut aus.
    Lieben Gruß,
    Petra

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    1. dann hast du ja einen sehr dünnen Faden..... prima wenn deine Maschine und du damit gut klar kommen. Dann würde ich auch nicht wechseln :)

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  2. Hallo Gusta!

    Ich bin ganz begeistert von Deiner neuen Serie! So viele Informationen! Da bin ich ja wirklich sehr uninformiert bisher! Vielen lieben Dank!!!

    lg
    Maria

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    1. bis vor ein paar Wochen ging es mir ähnlich, obwohl ich wusste, dass es verschiedenes Garn gibt :)

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